Wie Café Blá den Ursprung erreicht, ohne groß zu sein
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Café Blá ist klein und sagt das auch. Auf der eigenen Website schreibt das Café offen, dass Direct Trade für eine so kleine Operation keine nachhaltige Praxis sei: Wenige Säcke im Jahr helfen Anbauern nicht. Stattdessen entscheidet sich Café Blá für Importeure mit Substanz am Ursprung und veröffentlicht auf jeder Bohnenpackung den Farm Gate Preis. Klein zu sein ist hier kein Mangel, sondern Methode.

Was Café Blá am Ursprung tut
Café Blá hat 2016 in der Lilienstraße 34 eröffnet und wird heute von Jacob Henry-Foord und Alexander Vits gemeinsam betrieben. Jacob ist Head Roaster der Schwester-Rösterei Vits. Drei Entscheidungen am Ursprung tragen das Café.
Für Ostafrika hat Café Blá Omwani gewählt, einen 2018 gegründeten britischen Importeur, der Kleinbauern in sechs Ländern direkt unterstützt (Quelle: omwani.com). Über diese Beziehung beteiligt sich Café Blá an Agri Evolve, einem ugandischen Profit-for-Purpose-Unternehmen, das mit Tausenden Familien in den Rwenzori-Bergen arbeitet, Anbauer schult und ihre Erträge verbessert. Der Uganda Agri-Evolve im Café-Blá-Sortiment stammt aus dieser Linie.
Für Mittel- und Südamerika setzt Café Blá auf Plot Coffee Project, den Importarm der Hamburger Rösterei Elbgold. Die Entscheidung gründet auf einer Direkthandelspraxis, die Elbgold seit 2004 mit denselben Anbauern in Honduras, Guatemala, Äthiopien und Indien aufgebaut hat, mit jährlichen Besuchen vor Ort.
Drei Zahlen auf der Tüte
Damit Käufer prüfen können, was am Ursprung tatsächlich ankommt, veröffentlicht Café Blá auf jeder Bohnenpackung drei Preispunkte:
Farm Gate: was der Erzeuger pro Kilo bekommen hat
FOB: der Preis inklusive aller Kosten am Ursprung
EXW Total: der Durchschnittspreis nach Logistik, Lagerung und Import

Auf dem eigenen Blog reflektiert Jacob, dass diese Informationen schwer zu beschaffen sind, Mehrarbeit für Erzeuger bedeuten und nicht immer freigegeben werden (Quelle: cafebla.de). Er nennt dort namentlich Sidney von Lot 20, einem kenianischen Partner aus Omwanis Netzwerk, dessen detaillierte Preisaufschlüsselung diese Form der Transparenz erst ermöglicht hat. Wo die Daten verfügbar sind, druckt das Café sie auf die Tüte. Wo nicht, sagt es das ehrlich dazu.
Beziehungen, die das Café selbst pflegt
Trotz der eigenen Größe baut Café Blá auch direkte Produzentenbeziehungen auf. Mit German Carranza im peruanischen Amazonas arbeitet das Café gemeinsam mit der Schwester-Rösterei Vits seit 2017. Über vier Jahre haben Café Blá und Vits die Bestellmengen schrittweise gesteigert, Feedback zu Germans Experimenten mit Natural- und Honey-Aufbereitungen gegeben und seine Sorten-Pflanzungen begleitet, darunter seltene Geishas.
Manchmal entstehen Beziehungen auch ohne Plan. An einem Dienstagnachmittag im Oktober stand Rodrigo Samayoa von Finca L'Etranger in El Salvador in der Lilienstraße und fragte, ob das Café Lust hätte, Kaffee von der Familienfarm seines Vaters Ernesto zu probieren. Café Blá hat zugesagt, sechs Muster verkostet, eine Bestellung aufgegeben und damit eine neue Beziehung begonnen. Wer fragt, bekommt eine Antwort. Wer hereinkommt, kann etwas Neues anstoßen.
Die Zahlen auf der Tüte sind kein Schmuck. Sie sind das, was eine kleine Rösterei am Ursprung bewegen kann, wenn sie ihre Größe nicht vortäuscht: genau, ehrlich, mit Bestand. Tiefe statt Einfachheit, Haltung statt Masse. Genau diese Verbindung sucht MUC/28 in München.
Wurzeln, die tief reichen. Partnerschaften, die halten. Eine Tasse, in der beides zu schmecken ist.
Lilienstraße 34 in der Au. Wenige Minuten zu Fuß vom Deutschen Museum. Der Weg ist es wert.



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