Wie Vits Coffee den Ursprung über Jahrzehnte hält
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Bei Vits haben Beziehungen am Ursprung Bestand. Die Rösterei bezieht ihre Äthiopien-Lots seit Jahren ausschließlich von Trabocca, kauft für Burundi und Timor-Leste über Raw Material und arbeitet seit 2017 direkt mit German Carranza in Peru. Drei Entscheidungen, dreimal Tiefe statt Einfachheit.

Was Vits am Ursprung tut
Alexander Vits hat die Rösterei 2005 in der Rumfordstraße 49 gegründet. Beschafft wird seit Jahren über dieselben drei Beziehungen, jede einzelne mit klarem Grund.
Für sämtliche Äthiopien-Lots arbeitet Vits ausschließlich mit dem niederländischen Importeur Trabocca, und das mit gutem Grund. Über Trabocca finanziert Vits das Programm Operation Cherry Red mit, das Kleinbauern wie Alemayehu Daniel und Kebede Wako einen Mindestpreis von 5 US-Dollar pro Pfund garantiert und jeden zusätzlichen Auktionserlös bei Feldbesuchen direkt an die Erzeuger weitergibt (Quelle: trabocca.com). Diese Anbauern halten heute eigene Exportlizenzen und stehen unmittelbar am internationalen Markt.
Für Burundi und Timor-Leste hat Vits sich für Raw Material entschieden, einen Importeur, der als Community Interest Company in Großbritannien organisiert ist und seine Gewinne an Erzeuger zurückführt statt an Aktionäre. Über diese Beziehung trägt Vits eine Lohnpolitik mit, die auf der Izuba Washing Station in Burundi 25 Prozent über dem regionalen und 33 Prozent über dem nationalen Durchschnitt liegt (Quelle: vits.coffee). Vits beteiligt sich darüber auch an einem Krankenversicherungsprogramm für alle Cherry-liefernden Familien, das die Gemeinde selbst angefragt hatte (Quelle: rawmaterial.coffee).
In Peru pflegt Vits eine direkte Produzentenbeziehung. Seit 2017 steigert die Rösterei die jährlichen Bestellmengen bei German Carranza im Amazonas, gibt Feedback zu seinen Experimenten mit Natural- und Honey-Aufbereitungen und begleitet seine neuen Sorten-Pflanzungen, darunter seltene Geishas.
Timor-Leste, wo die Stakes hoch sind
Mit dem Mota Bandeira aus Timor-Leste hat Vits einen Kaffee in der Liste, der zeigt, wofür diese Importeursentscheidung steht. Der Lot stammt aus der Suco Atsabe in Ermera, entpulpt in der Raimutin Waschstation.
Timor-Leste, unabhängig erst seit 2002, steht vor einem ökonomischen Umbruch. Die Ölreserven, bisher das wichtigste Exportgut, gehen zur Neige. Kaffee soll die Lücke füllen. Rund 37 Prozent aller Haushalte sind heute davon abhängig, die meisten leben unter der Armutsgrenze.
Mit dieser Beziehung unterstützt Vits Coffee konkrete Aufbauarbeit. Seit 2018 entstehen über Raw Material in Timor-Leste Waschstationen, Anbauer werden geschult, und über 90 Prozent der Produktion gehen zu Preisen, die das Zwei- bis Dreifache des nationalen Durchschnitts erreichen. Ein 25-Jahres-Programm pflanzt elf Millionen neue Kaffeebäume. Wer eine Tüte Mota Bandeira in der Rumfordstraße kauft, kauft sich in genau diese Arbeit ein.
Was die Tasse zeigt
Beziehungen wie diese sind in der Tasse messbar, weil sie es in der Kette sind. Der Mota Bandeira schmeckt nach Erdbeere, Sahne und Shortbread. Auf der Tüte stehen Region, Washing Station, Anbauhöhe, Sorte und Importeur. Wer fragt, bekommt eine Antwort. Wer nicht fragt, hat sie vor sich.

Tiefe statt Einfachheit ist hier nicht Behauptung, sondern Methode. Lange Beziehungen erlauben, dass die Entscheidungen der Rösterei am Ursprung Spuren hinterlassen, von der Pflanzung neuer Sorten in Peru über die Krankenversicherung in Burundi bis zur Waschstation in Atsabe. Genau diese Verbindung sucht MUC/28 in München.
Wurzeln, die tief reichen. Partnerschaften, die halten. Eine Tasse, in der beides zu schmecken ist.
Rumfordstraße 49 in der Altstadt. Wenige Minuten vom Viktualienmarkt. Der Weg ist es wert.


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