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Amazonas und El Salvador treffen München: Wie Vits und Café Blá Communities bauen

  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Lateinamerika liefert außergewöhnliche Bohnen. München liefert faire Preise, langfristige Abnahme und ein Café, in dem Anbauer auch hereinspazieren dürfen. Was 2017 bei Vits mit einer geplanten Beziehung begann, hat sich bei Café Blá auf eine Art fortgesetzt, die niemand bestellt hatte. Beide Geschichten zeigen, was Community Building in der Praxis bedeutet.


Amazonas, 2017: German Carranza übernimmt zwei Hektar

Die Familie Carranza arbeitet seit 1965 in der Provinz Utcubamba im peruanischen Amazonas mit Kaffee. Vierzehn Hektar, zwölf Kinder. Im Jahr 2017 teilt der Vater die Farm offiziell auf. Fünf seiner Kinder, die im Anbau mitarbeiten, erhalten je zwei Hektar zur eigenen Bewirtschaftung. Eines davon ist German, 25 Jahre alt (Quelle: vits.coffee).


Image credits: cafebla.de
Image credits: cafebla.de

German trifft eine ungewöhnliche Entscheidung. Inspiriert von Proben, die ein Freund aus Sumatra mitgebracht hat, beginnt er mit Natural- und Honey-Aufbereitungen. Er pflanzt seltene Geisha-Varietäten, die in seiner Region kaum vorkommen. Für die Verarbeitung fährt er den grünen Kaffee 400 Kilometer, nach Chiclayo, weil seine Farm keine eigene Mühle hat.


Im selben Jahr sucht Vits in Peru eine direkte Produzentenbeziehung. Über einen ehemaligen Mitarbeiter, der German kennt, kommt der erste Kontakt zustande. Seither steigert die Rösterei die jährlichen Bestellmengen, gibt Feedback zu Germans Experimenten und begleitet seine neuen Sorten-Pflanzungen. Wer einen Peru-Mikrolot aus der Rumfordstraße trinkt, trinkt das Resultat eines achtjährigen Dialogs zwischen Amazonas und Altstadt.


Lilienstraße, ein Dienstag im Oktober: Rodrigo Samayoa kommt herein

In El Salvador führt die Familie Samayoa die Finca L'Etranger seit fünf Generationen. Begonnen hat es 1913, als Urgroßvater Jules von Belgien aus über Panama nach Mittelamerika kam (Quelle: cafeletranger.com). Heute kümmert sich Ernesto Samayoa um die Farm, sein Sohn Rodrigo um den Vertrieb.


An einem Dienstagnachmittag im Oktober steht Rodrigo in der Lilienstraße 34. Er fragt, ob Café Blá Lust hätte, Kaffee von der Familienfarm seines Vaters zu probieren. Aus dem Gespräch wird eine Verkostung. Café Blá verkostet sechs Muster. Darunter sind seltene Red und Pink Kenibon, eine Kreuzung aus kenianischem SL28 und Bourbon, die in El Salvador nur in geringen Mengen produziert wird.


Image credits: cafeletranger.com
Image credits: cafeletranger.com

Café Blá hätte alle sechs Muster nehmen können, schreibt Jacob später im Café-Blog. Daraus wurde eine Bestellung und der Beginn einer Beziehung, die das Café seither pflegt. Die Geschichte zeigt, was hinter dem Motto des Cafés steht: "Drink coffee, ask questions." Wer hereinkommt, kann etwas Neues anstoßen.


Was diese Geschichten über München erzählen

Die Geschichten funktionieren, weil sie in beide Richtungen zählen.


In Peru entwickelt German Carranza eine neue Generation peruanischer Specialty-Coffees. Seine Geishas und experimentellen Aufbereitungen sind nur möglich, weil ein Käufer das Risiko über Jahre mitträgt. In El Salvador erweitert die Familie Samayoa ihre internationale Reichweite. Aus einem zufälligen Café-Besuch in München ist ein Vertriebsweg geworden, der Rodrigo erlaubt, das Werk seines Vaters in neue Märkte zu bringen.


In München kommen Kaffees an, die ohne diese Beziehungen nicht existieren würden. Bei Vits ein Peru-Mikrolot mit experimenteller Aufbereitung. Bei Café Blá Red und Pink Kenibon, die kaum eine andere Rösterei in Deutschland im Sortiment hat. Beide Communities wachsen daran, und genau das ist der Punkt.


Drei Prinzipien tragen diese Geschichten und sind das, was MUC/28 sucht:


Beziehungen, die bleiben. Vits arbeitet seit über acht Jahren mit German Carranza, Café Blá mit der Familie Samayoa seit der ersten Verkostung. Beide Beziehungen wachsen weiter.


Preise, die fair sind. Jährlich gesteigerte Bestellmengen geben Carranza Planungssicherheit für seine Sorten- und Aufbereitungsexperimente. Café Blá veröffentlicht auf jeder Bohnenpackung den Farm-Gate-Preis, damit Käufer prüfen können, was beim Anbauer tatsächlich ankommt (Quelle: cafebla.de).


Tiefe statt Einfachheit. Eine Tür, die offen ist für einen unbestellten Dienstagnachmittag. Ein Feedback aus der Rumfordstraße, das die Aufbereitungsentscheidung am Amazonas mitprägt.


Lateinamerika liefert außergewöhnliche Bohnen. München liefert faire Preise, langfristige Abnahme und ein Café, in dem Anbauer auch hereinspazieren dürfen. Was daraus entsteht, ist mehr als ein Geschäft: zwei Communities, die voneinander leben, ohne dass die eine der anderen einen Gefallen tut.


Wurzeln, die tief reichen. Partnerschaften, die halten. Eine Tasse, in der beides zu schmecken ist.


Genau das sucht MUC/28.

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